Vernissage und Lesung mit konzertanter Begleitung am 31. Januar 2009, 19:00 Uhr
Liebe Freunde,
das Jahr hat gerade erst begonnen, doch die vielfältigen Aufgaben des Alltags haben uns nach der besinnlichen Weihnachtszeit schon wieder fest im Griff. Abseits des privaten und beruflichen Getriebes dürfen aber auch im Winter die kulturellen Genüsse nicht zu kurz kommen. GedacksSalon bietet auch im Jahr 2009 die beste Gelegenheit, ein wenig zur Ruhe zu kommen und sich den schönen Künsten zu widmen. Die diesjährige Veranstaltungsreihe wird mit einer einzigartigen Vernissage eröffnet.
Ein ungewöhnliches Duo, eine reizvolle Paarung, eine faszinierende Spiegelung bietet dieser Abend in GedacksSalon - zwei Geschwister!
Literatur, Photographie und Musik werden direkt miteinander konfrontiert: die Berliner Künstlerin Corinna Rosteck und ihr in Nizza lebender Bruder Jens Rosteck, Kulturgeschichtler, Buchautor, Musikwissenschaftler und Pianist, präsentieren Ausschnitte aus ihren so gegensätzlichen, doch einander ergänzenden Arbeiten in verschiedenen Medien.
In ihren Fotoarbeiten betreibt die Berliner Künstlerin Corinna Rosteck ein doppeltes Spiel: Sie will andere zeigen und selbst gesehen werden. Sie hat das Schauen in unübersichtlichen Städten gelernt - in Paris und in Berlin, in Japan und in den USA - und breitet jetzt ihren Körper als Landschaft vor uns aus, als Folie für Modelle und Motive.
Schaulust und Preisgabe von Intimität durchkreuzen sich; die Grenzen zwischen dem Ich und seinen vielfachen visuellen Schatten verwischen sich. "Doppeltes Spiel" bedeutet Zurschaustellung von Angriffsflächen, schließt Verletzbarkeit ein.
Zwei Seelen bewohnen das innere Auge dieser Fotografin: Überblendtechniken, Grenzübergänge, verwischte Konturen verweisen auf einen offenen ästhetischen Rahmen. Wirklichkeiten werden durchgespielt, gespiegelt. Doppeltes Belichten lädt zum genaueren Sehen ein. An dieser Schnittstelle zwischen Aufsplitterung und Synthese greift der Betrachter ein - er trägt eine weitere Perspektive an solche Doppel-Bilder heran, wird vom zufälligen Passanten zum verlässlichen Augenzeugen von Corinna Rostecks vielschichtigen Impressionen.
Ihre großformatigen Fotografien von lichthaltigem und reflektierendem Wasser changieren zwischen gegenständlicher Reproduktion und abstrakter Struktur. Die Wirkung der malerisch bewegten nassen Oberflächen wird dabei vom metallischen Widerschein des Aluminiumbildträgers, der sich je nach natürlichem Lichteinfall im Ausstellungsraum verändert, effektvoll gesteigert und entspricht der lebendigen, sich ständig verändernden Erscheinung des Wassers.
Der in Nizza lebende Kulturgeschichtler und Buchautor Jens Rosteck hat sich als Spezialist für Doppelbiographien einen Namen gemacht und beschäftigt sich seit langem mit kreativen Paaren und Paarungen. Er hat Lotte Lenya und Kurt Weill porträtiert, Darius Milhaud und Paul Claudel gegenübergestellt, und in seinem neuesten Buch "Leben ohne anzuhalten" das exzentrische, charismatische Ehepaar Jane und Paul Bowles unter die Lupe genommen. Zwei amerikanische Schriftsteller auf einer literarischen Achterbahnfahrt zwischen Manhattan und Tanger, zwischen Guatemala, Ceylon und Marokko, zwischen Wüste und Cocktailparty, Einsamkeit und Mondänität. Zwei komplementäre Charakter, zwei Liebende, zwei Originale - widersprüchlich, rätselhaft, grotesk, sinnlich. Zwei Verschworene, die auf ihre Umwelt wie Geschwister wirkten.
Jens Rosteck stellt sein Kapitel der von beiden Bowles auf verschiedenen Kontinenten betriebenen Papageienjagd ins Zentrum seiner heutigen musikalischen Lesung - kontrapunktiert von einer Auswahl von Klavierstücken aus den 1930er und 1940ern Jahren, die er selbst vorträgt. War doch das Multitalent Paul Bowles zugleich ein witziger und heute zu Unrecht vergessener Komponist!
Tiefere Einblicke in die Kunst des Geschwisterpaares wird uns in einer einführenden Rede Annette Jahnhorst M. A., Inhaberin der "Agentur für Bild-Kunst", eröffnen.
Freuen wir uns auf einen spannenden Abend mit den Geschwistern Rosteck, an dem vielfältige Talente und Kunstströmungen eine überraschende Verbindung eingehen. Und damit der musikalische Genuss nicht schon mit einem Streich vorbei ist, hat Jens Rosteck versprochen, sich zu späterer Stunde noch ein zweites Mal ans Klavier zu setzen. Wir können gespannt sein, in welche Kiste seines Repertoires er dann greifen wird.
GedacksSalon
am 31. Januar 2009, 19 Uhr
Baerwaldstr. 70, Berlin-Kreuzberg
Ab 18.00 Uhr steht meine Tür in der Baerwaldstraße 70, 2. Etage, für ein zwangloses Beisammensein mit Begleitung offen. Um eine kulinarische Kleinigkeit und eine kleine Spende von 5 Euro wird gebeten. Das Erscheinen in modisch eleganter Kleidung ist erwünscht.
Da nur eine begrenzte Anzahl von Plätzen vorhanden ist, bitte ich um eine verbindliche Zusage. (gedack@cdaberlin.de oder 0172/948 71 17).
Mit den besten Wünschen
Euer/Ihr
Horst Gedack

