Die Welt zu Gast in Gedacks Salon

Liebe Freunde des Salons,                                                                        

November in Berlin: grau, regnerisch, dunkel. Der Urlaub ist schon eine Weile her, die gemütliche Adventszeit hat noch nicht begonnen. Also ist es genau die richtige Zeit, um sich mal wieder in GedacksSalon zu treffen und abseits des täglichen Getriebes Musik und Kunst zu genießen. Die Welt zu Gast in GedacksSalon – so könnte das Motto für diesen Abend heißen. Afrika trifft Europa sowohl in der Kunst, als auch in der Musik.
An diesem Abend werden die Bilder und keramischen Objekten von Jeanne MartellJeanne Martell aus Berlin mit den Skulpturen mehrerer Künstler aus Simbabwe ein europäisch-afrikanisches Zwiegespräch führen.

Jeanne Martell, 1968 in Idar-Oberstein  geboren, machte nach dem Abitur in der Töpferei Weihmann in Hünenfeld bei Koblenz eine Ausbildung zur Keramikerin. “ Meine Eltern erwarteten von mir, etwas Vernünftiges zu studieren. Aber auf dem Weg zur Einschreibung am Lehrerseminar besuchte ich zufällig eine Töpferei. Von da an wusste ich, dass ich mit Ton arbeiten möchte. Zur Uni ging ich nie. Dem Töpferhandwerk bin ich bis heute treu - nicht weil es leicht mit ihm ist, sondern - weil mein Herz an ihm hängt.“ Der Gesellenprüfung schloss sie ein Fachschulstudium zur Keramikgestalterin an der staatl. Fachschule für Keramikgestaltung in Höhr-Grenzhausen an und legte 1998 ihre Meisterprüfung ab. Schon in den Jahren der Ausbildung war Jeanne selbständig als Keramikgestalterin tätig und begann auch zu malen. 1999 kam sie nach Berlin und übernahm für zwei Jahre die Leitung der Keramikabteilung der Mosaik-Werkstätten für Behinderte GmbH Berlin. Gleichzeitig entwickelte sie natürlich auch ihre künstlerische Tätigkeit, Keramik und Malerei, weiter. Seit 2004 ist Jeanne Martell Inhaberin des Ladenateliers ARTELLERIA, Chamissoplatz 2 in Berlin-Kreuzberg. Dort fertigt sie künstlerische Gebrauchskeramik nach eigenem Entwurf, große Töpfe und Mosaikarbeiten, sowie Malerei (Acryl auf Leinwand). Für GedacksSalon hat Jeanne Werke ausgewählt, zu denen sie die Eindrücke mehrerer Afrikabesuche, meist in Kenya, inspiriert haben.

Die afrikanischen Künstler, deren Skulpturen  sich zu Jeanne Martells Werken gesellen, kommen alle aus Simbabwe und gehören der Künstlervereinigung  Friends Forever an. In Berlin präsentiert Friends Forever (www.friendsforeverzimbabwe.com) die Skulpturen in der Frie-drichstrasse 134, 10117 Berlin.
Die Steinbildhauerei aus Simbabwe wurde durch erste Ausstellungen in den 1960er und 70er Jahren bekannt. Frank Werk 1McEwen, damals Direktor der Nationalgalerie von Harare, und Tom Blomefield, Tabakfarmer aus Simbabwe und Gründer der Künstlerkolonie Tengenenge, förderten diese neue afrikanische Kunstrichtung und richteten die ersten Workshops ein, in denen die Künstler die Steinbildhauerei erlernen und ihre Fertigkeiten verbessern konnten. Heute lebt und arbeitet die dritte Generation der Steinbildhauer Werk 2in Simbabwe. Die meisten erlernen die Kunst als Assistenten älterer Künstler, manche studieren im Ausland. Die modernen Skulpturen sind aus farbenfrohem Gestein gearbeitet. Die Steine – Opalstein (grün), Springstone (schwarz), Lepidiolit (lila) oder Sapiolit (weiß) – stammen aus der Gebirgskette „Great Dyke“, die sich quer durch Simbabwe erstreckt. Die Künstler verarbeiten den rohen Stein zu humorvollen Figuren, liebenden Paaren und glücklichen Familien.
Friends Forever wurde im Juli 2004 von sechs Werk 3Künstlern und deren Freunden mit der Idee gegründet, die wundervollen Steinskulpturen aus Simbabwe weltweit in Ausstellungen zu präsentieren. Seitdem kümmert sich die Künstlervereinigung gezielt um die systematische Bekanntmachung der Kunst ihrer Mitglieder in aller Welt. Nach der ersten erfolgreichen Ausstellung in Barcelona/Spanien folgten weitere in Wien/Österreich, Atlanta und Boston/USA, Cernobbio/Italien, Helsinki/Finnland, Berlin/Deutschland. Einige Arbeiten waren vor Kurzem auch in einer Ausstellung in der Weltbank in Washington DC., USA, zu sehen. Zurzeit haben sich 25 Künstler in Friends Forever zusammengeschlossen.

Sylvester Mubayi (*1942) begann 1966 in Tengenenge mit der Steinbildhauerei. Nach drei Jahren ging er zur National Gallery in Harare zu Frank McEwen. Kurze Zeit später wurden seine Werke europaweit ausgestellt. „Ich wurde berühmt; die Leute kannten mich und mochten meine Arbeit. Ich hatte meinen eigenen Stil gefunden.“ 1969 brachte ihn Frank McEwen ins neu gegründete Vtuku Centre in Nyanga. Später arbeitete er mit verschiedenen Galerien zusammen. „Bisher sind meine Arbeiten geprägt von der spirituellen Welt. Mein Totem ist der Löwe, Tshumba. Die Geister sind sehr wichtig, sie beschützen die Familie.” Im Jahr 2009 widmete die National Gallery in Harare Sylvester Mubayi eine Einzelausstellung. Er ist ein Gründungsmitglied von Friends Forever.

Square Square ChikwandaChikwanda wurde 1972 in Guruve geboren. Er wuchs in der Künstlerkolonie Tengenenge auf und half dort seinem Vater beim „Waschen“ (die Skulpturen werden mit Sandpapier und Wasser glatt geschliffen) und Polieren der Skulpturen. 1995 zog er von Tengenenge in den Chapungu Sculpture Park in Harare. Die Skulpturen von Square Chikwanda sind von reiner Schönheit – klare Linien bestimmen die Gesichter und Körper. Trotz dieser einfachen plastischen Sprache strahlen die Skulpturen Wärme aus. Square Chikwanda ist Gründungsmitglied von Friends Forever.

Leo Leo BerekaiBerekai wurde 1976 in Chitungwiza geboren und erzählt über seinen Werdegang: „Meine Mutter heiratete den bekannten Bildhauer Joseph Ndanarika als ich 13 Jahre alt war und ich beobachtete ihn bei seiner Arbeit. Meine Mutter war selbst eine Bildhauerein und arbeitete im Chapungu Sculpture Park in Harare. Sie arbeitete und stellt dort aus and sie fragte mich um Hilfe. So bin ich zur Bildhauerei gekommen. Durch Chapungu sind meine Arbeiten in Deutschland, Südamerika und den USA ausgestellt worden.“ Leo Berekai stellt gerne das alltägliche Leben in seinen Werken dar – zum Beispiel Frauen, die Feuerholz sammeln; er bildet auch Menschen in nachdenklichen Posen ab.

Taguma Mukomberanwa wurde 1981 geboren und ist – so sagt sein Name Taguma– der jüngste Sohn von Nicholas Taguma MukomberanwaMukomberanwa (1940-2003), einer der Symbolfiguren der Steinbildhauerei Simbabwes. Wie seine älteren Geschwister Lawrence, Ennica, Tendai und Netsai ist auch Taguma künstlerisch sehr talentiert. Ein zweiter Blick auf seine Skulpturen lohnt sich – immer gibt es noch etwas zu entdecken. Eine der Stärken von Taguma Mukomberanwa ist, tiefgreifende Gefühle in menschlichen Beziehungen in halb abstrakter Form darzustellen.
(
Von zwei weitern Künstlern, deren Werke im Salon zu sehen sein werden, Norbert Shamuyarira und Regis Mushawatu liegen uns leider keine Biografien und Fotos vor.)

Mit einem außergewöhnlichen Musikerlebnis wird uns am späteren Abend das Aly Keita-Paul Schwingenschlögl-Duo überraschen.

AlyAly Keita Keita stammt aus Abidjan, Elfenbeinküste, ist ein Virtuose auf dem  Balaphon (eine Art Xylophon) und spielt inzwischen auf der ganzen Welt mit vielen berühmten Musikern. Mit beeindruckender Virtuosität verbindet er musikalische Welten: Er wandert zwischen spektakulärer afrikanischer Rhythmik, Polyphonie und Elementen des Jazz - verbindet diese zu einer wunderbaren und einzigartigen Klangwelt mit tausend und einem Schlag aus zwei magischen Händen.

Vor einigen Paul SchwingenschlöglJahren traf Aly auf den österreichischen Trompeter und Komponisten Paul Schwingenschlögl, dessen Musik durch eine große stilistische Bandbreite gekennzeichnet ist, die aber immer auf einem homogenen, globalen Konzept basiert. Das Beherrschen verschiedener Stile und seine ganz eigene instrumentale Ausdrucksweise verschafften ihm Auftritte bei renommierten europäischen Jazz- und Weltmusikfestivals. Darüber hinaus beschäftigt sich Schlingenschlögl seit vielen Jahren intensiv mit afrikanischer Musik.
Die Kombination Trompete / Balaphon besticht durch eine faszinierende Bandbreite neuer, ungewohnter Klänge. Aly Keita arbeitet seit Jahren an neuen rhythmischen und melodischen Erweiterungen des Spiels auf diesem im Prinzip auf Pentatonik beschränkte Instrument. Er bietet einerseits die rhythmische Basis für melodische und improvisatorische Erkundungen auf der Trompete und besticht andererseits durch virtuose Improvisationen auf dem Balaphon. Die Form des Duos ermöglicht den Musikern spontane musikalische Interaktion, subtile Klangerforschung und ein intensives musikalisches Zwiegespräch (mehr zu den Musikern auf der Künstlerseite).
Freuen wir uns auf einen abwechslungsreichen Abend mit künstlerischen und musikalischen Eindrücken aus Europa und Afrika in

GedacksSalon
am 20. November 2010, um 19:00 Uhr
Baerwaldstr. 70, Berlin-Kreuzberg

 Ab 18.00 Uhr steht meine Tür in der Baerwaldstraße 70, 2. Etage, für ein zwangloses Beisammensein mit Begleitung offen. Eine kulinarische Kleinigkeit für das Buffet wird gern entgegen genommen. Eine Spende von mindestens 5,- Euro pro Person wird erbeten. Das Erscheinen in angemessener, modisch eleganter Kleidung ist erwünscht.
Da nur eine begrenzte Anzahl von Plätzen vorhanden ist, bitte ich um eine verbindliche Zusage. (gedack@cdaberlin.de oder 0172/948 71 17).

Mit den besten Wünschen
Euer/Ihr

Horst

zurück

plants